„Laubfarbe und Himmelslicht“

Heute bin ich beim Katalogisieren auf alles andere als nüchterne Wissenschaftssprache gestoßen:

„Wenn wir gegen die Mitte eines schönen sonnigen Tages den von vereinzelten Wolken durchzogenen Himmel betrachten, so finden wir, neben dem leuchtenden Weiß und dem lichteren oder dunkleren Grau der Wolken, von eigentlichen Farben nur ein bald stärker, bald spärlicher mit Weiß gemischtes Blau. Bei niedrigerem Sonnenstande nehmen die Wolken stellenweise rötliche und blaugraue Farbentöne an; aber erst gegen Sonnenuntergang entfaltet der Himmel seine volle Farbenpracht. Während die Sonnenscheibe selbst allmählich an Glanz verliert, durch Gelb und Orange sich wandelt, um im tiefsten Blutrot unterzugehen, erglänzt der abendliche Himmel bis hoch hinauf in den mannigfaltigsten, durch die zartesten Übergänge verbundenen Farbentönen. […] Im inhaltsschwerem Gegensatz zu der Zähigkeit, mit der Rot und Blau sich bis zuletzt erhalten, steht die Tatsache, daß eine andere Farbe am Himmel fast vollständig fehlt, und zwar gerade diejenige, welche beim Anblick der pflanzenbedeckten Erde sich dem Auge am häufigsten darbietet, jenes Grün, welches die Laubblätter und andere denselben Verrichtungen dienende Pflanzenteile auszeichnet.“

Aus: Stahl, Ernst: Zur Biologie des Chlorophylls : Laubfarbe und Himmelslicht, Vergilbung und Etiolement. Jena : Fischer, 1909, S. 1-2.

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: